Fehlerspeicher löschen ohne Diagnosegerät: So geht’s richtig

Fehlerspeicher löschen ohne Diagnosegerät: So können Sie es mit OBD2-Adapter, Smartphone-App, Laptop oder durch Abklemmen der Batterie erfolgreich löschen.

Fehlerspeicher löschen ohne Diagnosegerät: So geht’s richtig

Den Fehlerspeicher Ihres Fahrzeugs löschen, ohne ein teures Diagnosegerät zu besitzen – das ist durchaus möglich. Batterie abklemmen, Sicherungen ziehen oder den OBD2-Stecker trennen sind die gängigsten Methoden. Allerdings sollten Sie dabei einiges beachten, damit kein Schaden entsteht.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Methoden wirklich funktionieren, für welche Fahrzeuge sie geeignet sind und wann Sie besser einen Fachmann aufsuchen sollten.

Was ist der Fehlerspeicher überhaupt?

Das moderne Fahrzeug ist kein rein mechanisches Gerät mehr. Stattdessen überwacht ein elektronisches Steuergerät – auch ECU (Engine Control Unit) oder Motorsteuergerät genannt – ständig Dutzende von Sensoren und Systemen. Sobald einer dieser Sensoren einen Wert außerhalb des Normalbereichs meldet, speichert das Steuergerät einen sogenannten Fehlercode (auch DTC, Diagnostic Trouble Code). Zusätzlich leuchtet dann häufig die Motorkontrollleuchte (MIL, Malfunction Indicator Light) im Armaturenbrett auf – oft als „Check Engine“-Leuchte bekannt.

Diese Fehlercodes sind keine willkürlichen Meldungen. Sie helfen Werkstätten dabei, Probleme gezielt zu diagnostizieren. Außerdem können ältere Codes im Speicher verbleiben, auch wenn das eigentliche Problem längst behoben wurde. Deshalb ist es manchmal sinnvoll, den Fehlerspeicher manuell zu löschen – etwa nach einer Reparatur oder einem Softwarefehler.

Der Fehlerspeicher liegt im nichtflüchtigen Speicher (NVRAM) des Steuergeräts. Das bedeutet, er bleibt auch nach dem Abschalten der Zündung erhalten. Jedoch lässt sich dieser Speicher unter bestimmten Bedingungen zurücksetzen – und zwar ohne professionelles Diagnosegerät.

Wann macht es Sinn, den Fehlerspeicher zu löschen?

Nicht jeder Fehlercode ist ein Grund zur Panik. Ebenso ist nicht jede Kontrollleuchte ein Zeichen für einen ernsthaften Defekt. Es gibt mehrere typische Situationen, in denen das Löschen des Fehlerspeichers sinnvoll ist:

  • Nach einer erfolgreich durchgeführten Reparatur: Sie haben ein defektes Bauteil selbst ausgetauscht. Jedoch leuchtet die Warnleuchte weiterhin, weil der alte Fehlercode noch gespeichert ist.
  • Nach dem Anschließen einer neuen Batterie: Beim Batteriewechsel können Fehlercodes entstehen, die keinen echten Defekt widerspiegeln.
  • Nach einem kurzzeitigen Sensor-Ausreißer: Manchmal meldet ein Sensor einmalig einen Fehler, zum Beispiel bei extremer Kälte oder Hitze. Zudem verschwindet das Problem von selbst, der Code bleibt jedoch gespeichert.
  • Zum Testen nach Eigenreparaturen: Möchten Sie prüfen, ob ein Fehler erneut auftritt, löschen Sie den Speicher zunächst und beobachten Sie das Fahrzeug.

Jedoch gilt: Löschen Sie niemals den Fehlerspeicher, ohne den Grund zu kennen. Ein dauerhafter Fehler kehrt nach dem Löschen sofort zurück. Außerdem verbergen Sie möglicherweise einen ernsthaften Defekt, der zu einem Motorschaden führen kann.

Die wichtigsten Methoden im Überblick

Methode 1: Batterie abklemmen – die einfachste Variante

Die Batterie abklemmen ist die bekannteste und am häufigsten verwendete Methode, um den Fehlerspeicher ohne Diagnosegerät zu löschen. Dabei wird die Stromversorgung zum Steuergerät vollständig unterbrochen, sodass der flüchtige Arbeitsspeicher der ECU geleert wird.

Schritt-für-Schritt-Anleitung (Batterie abklemmen):

  1. Schalten Sie die Zündung vollständig aus und nehmen Sie den Schlüssel ab.
  2. Öffnen Sie die Motorhaube und lokalisieren Sie die Fahrzeugbatterie.
  3. Lösen Sie zunächst den Minuspol (schwarzes Kabel) mit einem passenden Schraubenschlüssel (meist 10 mm).
  4. Warten Sie anschließend mindestens 15 bis 30 Minuten. Für ein vollständiges Zurücksetzen empfehlen manche Experten sogar 60 Minuten.
  5. Optional: Drücken Sie während der Wartezeit mehrmals kurz die Hupe oder schalten Sie kurz das Licht ein. Dadurch entladen Sie die noch im System gespeicherte Restenergie.
  6. Klemmen Sie danach den Minuspol wieder an und ziehen Sie ihn fest.
  7. Starten Sie das Fahrzeug und überprüfen Sie, ob die Kontrollleuchte erloschen ist.

Wie lange muss die Batterie abgeklemmt bleiben? Mindestens 15 Minuten, besser 30 Minuten. Einige ältere Fahrzeuge brauchen sogar bis zu einer Stunde, damit alle Kondensatoren im Steuergerät vollständig entladen sind.

Wichtig: Diese Methode hat Nebenwirkungen. Deshalb sollten Sie vorher folgende Punkte beachten:

  • Radiocode: Viele Fahrzeuge verlieren nach dem Abklemmen der Batterie den gespeicherten Radiocode. Halten Sie diesen Code bereit, bevor Sie die Batterie trennen.
  • Fensterheber-Initialisierung: Elektrische Fensterheber müssen bei einigen Fahrzeugmodellen nach dem Batterietrennen neu eingelernt werden.
  • Fahrassistenzsysteme: Systeme wie ESP, ABS oder die Lenkwinkelkalibrierung können nach dem Reset eine Adaptionsfahrt benötigen.
  • Steuergeräte-Adaptionen: Das Motorsteuergerät lernt im Laufe der Zeit Ihre Fahrweise kennen. Nach dem Batterieabklemmen beginnt dieser Lernprozess von vorn. Folglich kann das Fahrzeug zunächst etwas ruppiger laufen.

Methode 2: Den OBD2-Sicherungsstecker ziehen

Viele Fahrzeuge der Baujahre ab 1996 besitzen eine OBD2-Schnittstelle (On-Board-Diagnose, Generation 2). Diese befindet sich üblicherweise im Fahrzeuginnenraum, häufig unterhalb des Lenkrads oder in der Mittelkonsole. Einige Fahrzeuge haben eine dedizierte Sicherung für diese Schnittstelle im Sicherungskasten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung (OBD2-Sicherung ziehen):

  1. Schlagen Sie im Fahrzeughandbuch nach, welche Sicherung für die OBD2-Schnittstelle/Diagnose zuständig ist.
  2. Öffnen Sie den Sicherungskasten (meist im Motorraum oder im Innenraum, seitlich am Armaturenbrett).
  3. Ziehen Sie die entsprechende Sicherung mit einer Sicherungszange heraus.
  4. Warten Sie mindestens 10 Minuten.
  5. Setzen Sie die Sicherung wieder ein.
  6. Starten Sie das Fahrzeug und prüfen Sie die Kontrollleuchten.

Diese Methode ist schonender als das vollständige Abklemmen der Batterie. Zudem bleiben Radio-Codes und andere Einstellungen erhalten. Jedoch funktioniert sie nicht bei allen Fahrzeugen, weil nicht jedes Modell eine separate OBD-Sicherung besitzt.

Methode 3: Die Hauptsicherung oder Steuergerät-Sicherung ziehen

Alternativ können Sie die Sicherung des Motorsteuergeräts direkt herausziehen. Diese Methode ist präziser als das vollständige Abklemmen der Batterie, da nur das Steuergerät stromlos geschaltet wird.

Schritt-für-Schritt-Anleitung (Steuergerät-Sicherung):

  1. Öffnen Sie den Sicherungsplan Ihres Fahrzeugs (im Handbuch oder auf der Innenseite des Sicherungskastendeckels).
  2. Suchen Sie die Sicherung mit der Bezeichnung „ECU„, „Motor“ oder „Motorsteuergerät„.
  3. Ziehen Sie diese Sicherung mit einer Sicherungszange heraus.
  4. Warten Sie 15 bis 20 Minuten.
  5. Setzen Sie die Sicherung wieder ein.
  6. Starten Sie das Fahrzeug.

Hinweis: Verwenden Sie beim Wiedereinsetzen immer eine Sicherung mit dem gleichen Ampere-Wert. Andernfalls riskieren Sie einen erneuten Sicherungsausfall oder im schlimmsten Fall einen Kurzschluss.

Fahrzeugspezifische Besonderheiten: PKW, LKW und Motorrad

PKW – Personenkraftwagen

Bei PKW funktioniert das Batterie-Abklemmen in der Regel am zuverlässigsten. Jedoch gibt es Besonderheiten je nach Hersteller:

  • VAG-Gruppe (VW, Audi, Seat, Škoda): Hier ist das Batterie-Abklemmen effektiv. Allerdings müssen bei einigen Modellen danach die Fensterheber und das Schiebedach neu eingelernt werden. Außerdem verlieren Fahrzeuge mit KESSY (schlüsselloses Zugangssystem) nach dem Batterietrennen gelegentlich ihre Einstellungen.
  • BMW und Mercedes-Benz: Diese Hersteller nutzen besonders komplexe Steuergerätenetzwerke (CAN-Bus). Deshalb empfiehlt sich bei diesen Marken das Abklemmen für mindestens 30 Minuten. Zudem kann das Lenkradlenkwinkel-System eine Neukalibrierung erfordern.
  • Toyota und Honda: Japanische Fahrzeuge reagieren in der Regel gut auf das kurze Abklemmen. Außerdem sind die Systeme oft weniger vernetzt, sodass weniger Einstellungen verloren gehen.
  • Renault, Peugeot, Citroën: Bei diesen Fahrzeugen können nach dem Batterietrennen verschiedene Steuergeräte in einen „Schutzmodus“ wechseln. Folglich ist ein erneutes Anlernen über einen langen Fahrvorgang notwendig.
  • Ford: Viele Ford-Modelle erfordern nach dem Batterietrennen eine kurze Anpassungsfahrt, damit das Motorsteuergerät seine Parameter neu lernen kann.

LKW – Lastkraftwagen

Bei LKW und Nutzfahrzeugen ist die Situation komplizierter. Einerseits sind moderne LKW mit deutlich mehr Steuergeräten ausgestattet als PKW. Andererseits sind die Konsequenzen eines falsch gelöschten Fehlerspeichers gravierender, da Mängel die Fahrsicherheit und die HU-Tauglichkeit beeinflussen können.

Das Batterie-Abklemmen funktioniert grundsätzlich auch bei LKW. Jedoch sollten Sie bei Fahrzeugen mit AdBlue-System, Retarder oder EBS (Electronic Brake System) besonders vorsichtig sein. Ebenso können Kalibrierungen für Achslast-Sensoren verloren gehen. Deshalb raten wir bei LKW dringend zur Verwendung eines professionellen Diagnosegeräts oder zur Konsultation einer Fachwerkstatt.

Motorrad

Auch Motorräder verfügen seit einigen Jahren über Fehlerspeicher und OBD-Schnittstellen. Besonders moderne Motorräder von Honda, Yamaha, Kawasaki, Suzuki, BMW Motorrad, Ducati und KTM speichern Fehlercodes.

Das Batterie-Abklemmen funktioniert beim Motorrad prinzipiell genauso wie beim PKW. Jedoch sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Motorräder haben oft empfindlichere Bordelektronik. Deshalb sollten Sie sicherstellen, dass keine Spannung mehr anliegt, bevor Sie die Batterie abklemmen.
  • Bei ABS-Systemen am Motorrad kann nach dem Batterietrennen ein Neuabgleich erforderlich sein.
  • Außerdem verlieren einige Motorräder mit elektronischen Fahrwerkseinstellungen (z. B. BMW S 1000 RR) nach dem Reset ihre gespeicherten Setups.

OBD1 vs. OBD2 – Was ist der Unterschied?

Das OBD1-System wurde vor 1996 in Fahrzeugen verbaut. Es gibt kein einheitliches Protokoll, da jeder Hersteller sein eigenes System verwendete. Deshalb ist das manuelle Löschen des Fehlerspeichers bei OBD1-Fahrzeugen durch Batterie-Abklemmen besonders effektiv – mangels standardisierter Schnittstellen bleibt oft keine andere Wahl.

Ab 1996 (USA) bzw. ab 2001 (Europa) ist das OBD2-System gesetzlich vorgeschrieben. Es verwendet ein einheitliches Protokoll und eine standardisierte 16-polige Diagnosesteckdose. Deshalb sind hier günstige Diagnoseadapter wie der ELM327 bereits für unter 20 Euro erhältlich – dazu später mehr.

Günstige Alternativen: Bluetooth-OBD2-Adapter

Auch wenn der Artikel das Löschen ohne Diagnosegerät beschreibt, lohnt sich ein kurzer Hinweis auf günstige OBD2-Bluetooth-Adapter. Denn diese stellen eine einfache und schonende Alternative dar, die ohne das Risiko des Batterieabklemmens auskommt.

Empfohlene Geräte und Apps:

  • ELM327-Adapter (Bluetooth oder WLAN): Diese Adapter kosten zwischen 10 und 30 Euro und sind über Plattformen wie Amazon erhältlich. Jedoch sollten Sie auf v1.5-Chips achten; billige v2.x-Versionen sind oft langsamer und fehleranfälliger.
  • App für Android: „Torque Pro“ – Sie verbinden den ELM327-Adapter per Bluetooth mit Ihrem Android-Smartphone. Anschließend öffnen Sie die App, wählen „Fehler auslesen“ und können mit einem Tipp auf „Fehlercodes löschen“ den Speicher zurücksetzen.
  • App für iPhone/iOS: „OBD Fusion“ – Da iOS keine Standard-Bluetooth-SPP-Verbindung erlaubt, benötigen Sie einen WLAN-kompatiblen ELM327-Adapter. Verbinden Sie Ihr iPhone mit dem WLAN-Hotspot des Adapters, öffnen Sie OBD Fusion und löschen Sie die Fehlercodes über das Menü „Diagnose“.
  • App für alle Systeme: „Car Scanner ELM OBD2″ – Diese App ist für Android und iOS verfügbar. Sie ist besonders benutzerfreundlich und unterstützt zahlreiche Fahrzeugmarken.

Der Vorteil dieser Methode: Sie sehen genau, welcher Fehlercode gespeichert ist, bevor Sie ihn löschen. Außerdem bleiben alle Einstellungen und Adaptionen erhalten.

Fehlerspeicher löschen: Was passiert danach?

Nach dem Löschen des Fehlerspeichers – egal mit welcher Methode – befinden sich die Readiness-Codes des Fahrzeugs zunächst im Zustand „nicht fertig“ (englisch: „not ready“). Das bedeutet, dass die Fahrzeugsysteme ihre Selbsttests noch nicht abgeschlossen haben.

Das ist besonders relevant, wenn Sie bald zur Hauptuntersuchung (HU) müssen. Denn der Prüfer liest bei der HU auch die Readiness-Codes aus. Sind zu viele davon noch nicht abgeschlossen, kann die Untersuchung nicht durchgeführt werden – auch wenn keine aktiven Fehler vorhanden sind.

Empfohlene Vorgehensweise nach dem Löschen:

  1. Fahren Sie das Fahrzeug eine Einfahrtstrecke von mindestens 50 bis 100 km unter variierenden Bedingungen (Stadt, Landstraße, Autobahn).
  2. Starten Sie das Fahrzeug dabei mehrmals kalt neu.
  3. Lassen Sie alle Systeme (Motor, Getriebe, ABS, Klimaanlage) mehrfach aktivieren.
  4. Überprüfen Sie anschließend mit einem OBD2-Adapter, ob alle Readiness-Codes auf „fertig“ stehen.

Risiken und häufige Fehler beim manuellen Löschen

Das Löschen des Fehlerspeichers ohne Diagnosegerät birgt einige Risiken. Deshalb sollten Sie die folgenden Punkte kennen:

1. Der Fehler kehrt zurück:
Wenn der ursprüngliche Defekt noch vorhanden ist, leuchtet die Kontrollleuchte kurz nach dem Neustart wieder auf. In diesem Fall hat das Löschen nichts gebracht. Stattdessen sollten Sie die Ursache beheben.

2. Verlust wichtiger Einstellungen:
Besonders bei neueren Fahrzeugen mit vielen vernetzten Steuergeräten können durch das Batterieabklemmen wichtige Einstellungen verloren gehen. Dazu zählen zum Beispiel gespeicherte Sitzpositionen, Spiegeleinstellungen oder die Klimaanlagen-Kalibrierung.

3. Sicherheitsrelevante Systeme:
Niemals sollten Sie den Fehlerspeicher löschen, wenn Fehlercodes für Airbag, ABS oder ESP gespeichert sind, ohne die Ursache zu kennen. Diese Systeme sind sicherheitsrelevant. Folglich kann ein unbehandelter Defekt im Ernstfall Leben gefährden.

4. TÜV/HU-Probleme:
Wie bereits erwähnt, können unvollständige Readiness-Tests dazu führen, dass die Hauptuntersuchung scheitert. Deshalb planen Sie ausreichend Zeit zum Einfahren ein.

5. Gewährleistungsverlust:
Bei Neufahrzeugen kann das eigenmächtige Löschen von Fehlercodes unter Umständen dazu führen, dass Händler eine Gewährleistung ablehnen – besonders wenn Sie nachweislich einen Fehler „versteckt“ haben.

Wann ist ein professionelles Diagnosegerät unumgänglich?

Trotz aller Möglichkeiten zum manuellen Löschen gibt es Situationen, in denen Sie auf professionelle Hilfe angewiesen sind:

  • Airbag-Fehlercodes: Diese erfordern in der Regel ein herstellerspezifisches Diagnosegerät, da Standard-OBD2-Protokolle hier oft nicht ausreichen.
  • Getriebesteuergerät (TCU): Fehler im automatischen Getriebe oder Doppelkupplungsgetriebe lassen sich oft nur mit speziellen Tools löschen und neu kalibrieren.
  • Einspritzsystem und Hochdruckpumpe: Bei Fehlern in modernen Diesel- oder Benzin-Direkteinspritzsystemen sind präzise Diagnosen notwendig.
  • Hybridfahrzeuge und Elektrofahrzeuge: Fahrzeuge von Tesla, Toyota Prius, BMW i3 oder Hyundai Ioniq besitzen hochkomplexe Hochvolt-Systeme. Deshalb ist hier das Eingreifen durch Laien gefährlich und nicht zu empfehlen.
  • Herstellerspezifische Fehlercodes: Viele Fehler sind herstellerspezifisch und werden von Standard-OBD2-Tools nicht angezeigt. Hier helfen nur Spezialgeräte wie VCDS (für VAG-Gruppe), BMW ISTA, Mercedes XENTRY oder iCarsoft-Diagnosetester.

Schritt-für-Schritt: Die empfohlene Vorgehensweise im Überblick

Damit Sie keinen Schritt vergessen, hier die empfohlene Vorgehensweise zusammengefasst:

Schritt 1: Ursache ermitteln
Lesen Sie den Fehlercode zunächst aus – entweder mit einem günstigen ELM327-Adapter oder in einer Werkstatt. So wissen Sie, ob das Löschen sinnvoll ist.

Schritt 2: Methode wählen
Entscheiden Sie sich je nach Fahrzeug für eine der drei Methoden: Batterie abklemmen, OBD2-Sicherung ziehen oder Steuergerät-Sicherung entfernen.

Schritt 3: Vorbereitung
Notieren Sie Ihren Radio-Code. Außerdem stellen Sie sicher, dass die Zündung ausgeschaltet ist und das Fahrzeug auf ebenem Untergrund steht.

Schritt 4: Fehlerspeicher löschen
Führen Sie die gewählte Methode durch und warten Sie die empfohlene Zeit ab.

Schritt 5: Fahrzeug starten und prüfen
Starten Sie das Fahrzeug und prüfen Sie, ob die Kontrollleuchte erloschen ist. Lesen Sie gegebenenfalls erneut den Fehlerspeicher aus.

Schritt 6: Einfahrtstrecke
Fahren Sie mindestens 50 km unter verschiedenen Bedingungen, damit alle Readiness-Codes abgeschlossen werden.

Schritt 7: Kontrollleuchte beobachten
Leuchtet die Kontrollleuchte erneut auf, liegt ein dauerhafter Defekt vor. Suchen Sie in diesem Fall eine Werkstatt auf.

Häufige Fragen zum Fehlerspeicher löschen

Was passiert, wenn ich die Batterie abklemme, um den Fehlerspeicher zu löschen?

Beim Abklemmen der Batterie wird die Stromversorgung des Steuergeräts unterbrochen. Dadurch verliert der Arbeitsspeicher der ECU seinen Inhalt, und gespeicherte Fehlercodes werden gelöscht. Außerdem werden manche Einstellungen wie der Radiocode, Fensterheber-Positionen oder Klimaanlagen-Kalibrierungen zurückgesetzt. Deshalb sollten Sie den Radio-Code vorher notieren und nach dem Wiederanschließen alle Systeme neu einlernen.

Wie lange muss die Batterie abgeklemmt bleiben, damit der Fehlerspeicher gelöscht wird?

Mindestens 15 Minuten, besser jedoch 30 Minuten. Bei älteren Fahrzeugen oder solchen mit vielen Steuergeräten empfehlen sich bis zu 60 Minuten. Zudem können Sie während dieser Zeit kurz die Hupe betätigen oder die Beleuchtung einschalten, um Restenergie abzubauen und den Reset zu beschleunigen.

Kann ich den Fehlerspeicher löschen, ohne Einstellungen zu verlieren?

Ja, das ist mit einem OBD2-Bluetooth-Adapter (z. B. ELM327) und einer entsprechenden App möglich. Dabei wird ausschließlich der Fehlerspeicher gelöscht, ohne andere Steuergerätedaten zu beeinflussen. Außerdem bleiben Radio-Code, Fensterheber-Einstellungen und Fahrzeugadaptionen vollständig erhalten.

Löscht das Abklemmen der Batterie wirklich alle Fehlercodes?

Nicht immer. Bei modernen Fahrzeugen ab etwa Baujahr 2010 speichern einige Steuergeräte Fehlercodes im nichtflüchtigen EEPROM-Speicher, der durch das Batterietrennen nicht gelöscht wird. Deshalb kann es vorkommen, dass bestimmte Fehlercodes auch nach dem Batterieabklemmen erhalten bleiben. In solchen Fällen ist ein OBD2-Diagnosetool notwendig.

Warum leuchtet die Kontrollleuchte nach dem Fehlerspeicher löschen wieder auf?

Das bedeutet, dass der Defekt noch vorhanden ist. Das Steuergerät hat denselben oder einen ähnlichen Fehler erneut erkannt und gespeichert. Deshalb ist es wichtig, die Ursache zu beheben, bevor man den Fehlerspeicher löscht. Andernfalls leuchtet die Kontrollleuchte immer wieder auf.

Ist das Löschen des Fehlerspeichers vor dem TÜV eine gute Idee?

Nein, das ist keine gute Idee, wenn das Problem noch besteht. Zwar ist die Kontrollleuchte dann zunächst erloschen, jedoch zeigt der Prüfer bei der Hauptuntersuchung auch die Readiness-Codes aus. Sind diese noch nicht vollständig abgeschlossen, weil der Reset zu frisch ist, kann die Untersuchung nicht bestanden werden. Außerdem gilt ein kurz zuvor gelöschter Fehlerspeicher als manipulationsverdächtig.

Funktioniert das Fehlerspeicher löschen ohne Gerät auch beim Motorrad?

Ja, grundsätzlich funktioniert das Batterieabklemmen auch bei Motorrädern mit OBD-System. Ebenso wie beim PKW sollten Sie dabei die Zündung vollständig ausschalten und mindestens 15 Minuten warten. Jedoch ist bei Motorrädern mit ABS oder elektronischem Fahrwerk besondere Vorsicht geboten, da diese Systeme nach dem Reset neu kalibriert werden müssen.

Kann ich den Fehlerspeicher bei einem Dieselfahrzeug genauso löschen wie bei einem Benziner?

Ja, die Methoden sind dieselben. Jedoch ist bei Dieselfahrzeugen mit AdBlue-System (SCR-Katalysator) und moderner Abgasreinigung Vorsicht geboten. Fehlercodes in diesen Systemen können die Motorleistungsreduzierung aktivieren. Deshalb sollten Sie bei Dieselfahrzeugen den Fehlercode vor dem Löschen unbedingt kennen.

Gibt es kostenlose Apps zum Löschen des Fehlerspeichers?

Ja. Zum Beispiel ist Car Scanner ELM OBD2 in der Basisversion kostenlos und für Android und iOS verfügbar. Außerdem gibt es OBD Auto Doctor als Gratis-Version. Jedoch bieten Bezahlversionen meist mehr Funktionen wie markenspezifische Codes und erweiterte Diagnosemöglichkeiten. In jedem Fall benötigen Sie zusätzlich einen ELM327-Adapter für rund 10 bis 30 Euro.

Kann das Löschen des Fehlerspeichers das Fahrzeug beschädigen?

Bei richtiger Ausführung nicht. Jedoch können fehlerhafte Vorgehensweisen Schäden verursachen: Wird zum Beispiel die Batterie bei laufendem Motor abgeklemmt, können Spannungsspitzen entstehen, die Steuergeräte beschädigen. Deshalb schalten Sie immer zuerst die Zündung aus, bevor Sie etwas an der Elektrik des Fahrzeugs verändern.

Fazit

Den Fehlerspeicher ohne Diagnosegerät zu löschen ist möglich und bei richtiger Ausführung sicher. Die zuverlässigste Methode bleibt das Abklemmen der Batterie für mindestens 30 Minuten, ergänzt durch das Notieren des Radio-Codes.

Jedoch empfiehlt es sich, zuvor die Fehlerursache zu kennen – am besten mithilfe eines günstigen ELM327-Adapters. So vermeiden Sie unnötige Risiken und behalten die volle Kontrolle über Ihr Fahrzeug.