Motorrad anschieben: Erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Motorrad sicher und richtig anschieben – mit Tipps zu Technik und Sicherheitsregeln.

Ein leerer Akku, eine schwache Batterie oder ein kleiner technischer Defekt – und das Motorrad springt nicht mehr an. Glücklicherweise lässt sich ein Motorrad mit Schaltgetriebe in vielen Fällen durch Anschieben wieder starten.
Dieser Artikel erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Motorrad sicher und effektiv anschieben, welche Voraussetzungen dafür nötig sind und worauf Sie dabei unbedingt achten müssen.
Was bedeutet „Motorrad anschieben“ eigentlich?
Das Anschieben eines Motorrads – auch als Anschleppen oder Anstoßen bezeichnet – ist eine Methode, um den Motor eines Motorrads mithilfe der kinetischen Energie in Gang zu setzen, ohne den elektrischen Anlasser zu nutzen. Dabei wird das Motorrad in Bewegung gebracht und anschließend die Kupplung schlagartig losgelassen, sodass der Motor durch das laufende Getriebe „angeworfen“ wird. Diese Methode funktioniert jedoch ausschließlich bei Motorrädern mit manuellem Schaltgetriebe und einem konventionellen Verbrennungsmotor.
Besonders wichtig zu wissen: Elektromotorräder und einige moderne Motorräder mit rein elektronischen Systemen lassen sich auf diese Weise nicht starten. Außerdem sind Motorräder mit Automatikgetriebe, wie zum Beispiel bestimmte Modelle mit Dual-Clutch-Transmission (DCT), für das Anschieben oft nicht geeignet oder sogar dafür nicht vorgesehen.
Wann ist das Anschieben des Motorrads sinnvoll?
Bevor Sie Ihr Motorrad anschieben, sollten Sie zunächst klären, warum es nicht anspringt. Das Anschieben hilft nämlich nur in bestimmten Situationen zuverlässig weiter.
Geeignete Situationen für das Anschieben:
- Leere oder schwache Batterie: Dies ist der häufigste Grund. Der Anlasser dreht sich zu langsam oder gar nicht mehr. Durch das Anschieben umgehen Sie den Anlasser vollständig.
- Defekter Anlasser: Wenn der Startermotor selbst defekt ist, bleibt das Anschieben oft die einzige Option auf der Straße.
- Defekte Zündanlassschalter-Elektronik: In manchen Fällen lässt sich der Motor trotzdem starten, sofern Zündung und Kraftstoffversorgung funktionieren.
Nicht geeignet bei folgenden Ursachen:
- Leerer Kraftstofftank
- Defekte Zündanlage
- Defekte Kraftstoffpumpe (besonders bei modernen einspritzungsgesteuerten Modellen)
- Motorschaden
- Defekter Seitenständerschalter (das Motorrad startet dann grundsätzlich nicht im Gang)
Deshalb gilt: Prüfen Sie zuerst Kraftstoffstand, Zündung und offensichtliche Defekte, bevor Sie mit dem Anschieben beginnen.
Voraussetzungen: Diese Motorräder lassen sich anschieben
Grundsätzlich funktioniert das Anschieben bei nahezu allen Motorrädern mit manuellem Schaltgetriebe und Verbrennungsmotor. Dazu gehören:
- Sportmotorräder (z. B. Yamaha YZF-R1, Kawasaki Ninja ZX-10R, Honda CBR1000RR)
- Naked Bikes (z. B. KTM Duke 790, Suzuki GSX-S750, BMW F 900 R)
- Reisemotorräder (z. B. BMW R 1250 GS, Honda Africa Twin CRF1100L mit manuellem Getriebe, Kawasaki Versys 1000)
- Enduros und Adventure Bikes (z. B. KTM 890 Adventure, Triumph Tiger 900)
- Choppers und Cruiser (z. B. Harley-Davidson Sportster, Honda Shadow)
- Oldtimer und Klassiker – diese lassen sich in der Regel besonders gut anschieben
Nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind hingegen:
- Elektromotorräder (z. B. Zero Motorcycles SR/F, Energica Ego) – hier fehlt schlicht der Verbrennungsmotor
- Motorräder mit DCT-Getriebe (z. B. Honda Africa Twin mit DCT, Honda NC750X DCT) – das Doppelkupplungsgetriebe ist konstruktionsbedingt nicht für das Anschieben ausgelegt
- Motorräder mit CVT-Getriebe (z. B. einige Maxi-Scooter) – auch hier ist das Anschieben nicht möglich
Zudem sollten Sie wissen: Moderne Einspritzersysteme benötigen einen Mindestdruck in der Kraftstoffleitung. Bei einem vollständig entladenen Akku kann es passieren, dass die Kraftstoffpumpe keinen ausreichenden Druck aufbaut. Deshalb gelingt das Anschieben bei neueren Motorrädern mit Einspritzung manchmal nicht oder nur schwer – obwohl die Grundvoraussetzungen erfüllt sind.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Motorrad richtig anschieben
Beachten Sie vor allem die folgende Anleitung genau, um das Anschieben sicher und erfolgreich durchzuführen.
Schritt 1: Sicherheit zuerst – Standort und Umgebung prüfen
Suchen Sie sich zunächst einen geeigneten Untergrund aus. Ideal ist eine leicht abschüssige, gerade Straße oder ein freier, ebener Platz. Vermeiden Sie unbedingt:
- Starke Steigungen bergauf (zu viel Kraftaufwand)
- Starke Gefälle bergab (Kontrollverlust möglich)
- Nassen oder rutschigen Untergrund
- Stark befahrene Straßen ohne Ausweichmöglichkeit
Außerdem sollten Sie Schutzausrüstung tragen: Helm, Handschuhe und festes Schuhwerk sind auch beim Anschieben Pflicht.
Schritt 2: Motorrad vorbereiten
Nun bereiten Sie das Motorrad folgendermaßen vor:
- Zündung einschalten: Drehen Sie den Zündschlüssel auf „Ein“, damit Zündanlage und Kraftstoffpumpe anlaufen können.
- Choke prüfen: Bei einem kalten Motor – besonders bei älteren Vergasermotoren – aktivieren Sie den Choke.
- Killschalter prüfen: Vergewissern Sie sich, dass der Motorabstellschalter (Kill-Switch) auf „Run“ steht.
- Seitenständer einfahren: Viele Motorräder haben einen Sicherheitsschalter, der den Motor abschaltet, wenn der Seitenständer ausgeklappt ist und ein Gang eingelegt wird.
- Kraftstoffhahn öffnen: Bei Motorrädern mit manuellem Kraftstoffhahn (z. B. vielen Oldtimern) öffnen Sie diesen vollständig.
Schritt 3: Den richtigen Gang wählen
Die Wahl des Ganges ist entscheidend für den Erfolg. Generell gilt:
- Zweiter Gang: Dies ist die empfohlene Vorgehensweise für die meisten Motorräder. Der zweite Gang bietet ein gutes Gleichgewicht zwischen der nötigen Mindestgeschwindigkeit und dem Drehmoment, das auf den Motor übertragen wird.
- Dritter Gang: Bei größeren, schwereren Motorrädern oder bei besonders hoher Rollgeschwindigkeit kann der dritte Gang sinnvoller sein, da er das Motorrad weniger abrupt abbremst, wenn die Kupplung losgelassen wird.
- Erster Gang: Eher ungeeignet, da das Motorrad beim Loslassen der Kupplung sehr stark abbremst und der Ruck sehr heftig ist.
Empfehlung: Legen Sie den zweiten Gang ein. Treten Sie dabei die Kupplung vollständig durch und lassen Sie sie gedrückt.
Schritt 4: Das Anschieben – alleine oder mit Hilfe
Nun beginnt das eigentliche Anschieben. Dabei gibt es zwei Varianten:
Variante A: Mit einer Hilfsperson anschieben
Dies ist die einfachere und sicherere Methode, besonders für Einsteiger.
- Die Hilfsperson stellt sich hinter das Motorrad und schiebt es an.
- Sie sitzen auf dem Motorrad, halten die Kupplung gedrückt und den zweiten Gang eingelegt.
- Sobald das Motorrad eine Geschwindigkeit von etwa 10–15 km/h erreicht hat, lassen Sie die Kupplung schlagartig und vollständig los.
- Der Motor sollte nun anspringen. Treten Sie gleichzeitig leicht auf den Gasdrehgriff, um den Motor zu unterstützen.
- Drücken Sie sofort wieder die Kupplung, sobald der Motor läuft, damit das Motorrad nicht abgewürgt wird.
Variante B: Alleine anschieben – bergab
Wenn keine Hilfsperson verfügbar ist, benötigen Sie eine geeignete Gefällstrecke.
- Schieben Sie das Motorrad auf einer leichten Abfahrt in Position.
- Setzen Sie sich auf das Motorrad und lassen Sie es rollen, während Sie die Kupplung gedrückt halten und den zweiten Gang eingelegt haben.
- Sobald Sie ausreichend Fahrt aufgenommen haben (mindestens 10 km/h), lassen Sie die Kupplung schlagartig los.
- Geben Sie dabei leicht Gas und drücken Sie die Kupplung sofort wieder, wenn der Motor anspringt.
Variante C: Schieben neben dem Motorrad (für leichtere Maschinen)
Bei leichteren Motorrädern unter etwa 150 kg ist es möglich, das Motorrad neben sich her zu schieben.
- Legen Sie den zweiten Gang ein und halten Sie die Kupplung gedrückt.
- Schieben Sie das Motorrad neben sich her und nehmen Sie Fahrt auf.
- Springen Sie dann auf den Sattel und lassen Sie die Kupplung los.
- Diese Variante ist jedoch nur für erfahrene Fahrer empfohlen und bei schwereren Motorrädern gefährlich.
Schritt 5: Nach dem Anspringen – was tun?
Sobald der Motor läuft, lassen Sie ihn nicht sofort wieder ausgehen. Beachten Sie deshalb folgende Punkte:
- Motor warmlaufen lassen: Besonders bei kaltem Wetter sollte der Motor zunächst einige Minuten warm laufen.
- Batterie laden: Fahren Sie nach dem Anschieben mindestens 30–45 Minuten am Stück, damit die Lichtmaschine die Batterie ausreichend aufladen kann. Noch besser ist es, die Batterie anschließend mit einem CTEK MXS 5.0 oder einem NOCO Genius 5 vollständig aufzuladen – beide Ladegeräte sind speziell für Motorradbatterien geeignet und verfügen über einen Erhaltungsladebetrieb.
- Ursache klären: Stellen Sie sicher, dass Sie die Ursache des Problems beheben, bevor Sie das Motorrad das nächste Mal verwenden.
Häufige Fehler beim Motorrad anschieben und wie Sie sie vermeiden
Obwohl das Anschieben prinzipiell einfach ist, schlägt es häufig wegen vermeidbarer Fehler fehl. Deshalb finden Sie hier die häufigsten Fehlerquellen:
1. Zu geringe Geschwindigkeit beim Einrücken der Kupplung
Dies ist der häufigste Fehler. Wenn das Motorrad noch zu langsam rollt, reicht die kinetische Energie nicht aus, um den Motor zu starten. Außerdem kann das Motorrad abrupt abbremsen. Empfehlung: Warten Sie, bis Sie deutlich spürbare Fahrt aufgenommen haben, bevor Sie die Kupplung loslassen.
2. Kupplung zu langsam loslassen
Das Einrücken der Kupplung muss schlagartig erfolgen. Ein langsames Loslassen führt dazu, dass die Energie verpufft und der Motor nicht anspringt. Üben Sie diesen Moment bewusst.
3. Falscher Gang
Erster Gang führt zu starkem Ruck und möglichem Sturz. Dritter Gang bei zu niedriger Geschwindigkeit führt dazu, dass zu wenig Drehmoment übertragen wird. Deshalb ist der zweite Gang in den meisten Fällen die richtige Wahl.
4. Killschalter oder Seitenständerautomatik vergessen
Erstaunlich oft scheitert das Anschieben daran, dass der Killschalter auf „Off“ steht oder der Seitenständer noch ausgeklappt ist. Überprüfen Sie beides deshalb immer als Erstes.
5. Zündung nicht eingeschaltet
Ohne eingeschaltete Zündung können Kraftstoffpumpe und Zündanlage nicht arbeiten. Das Motorrad wird dementsprechend nicht anspringen, egal wie schnell Sie schieben.
6. Motorrad ist zu schwer oder die Strecke zu eben
Bei schweren Tourern oder Motorrädern über 250 kg ist das Anschieben alleine kaum möglich. Außerdem reicht eine völlig ebene Fläche ohne Helfer oft nicht aus, um ausreichend Tempo aufzubauen.
Motorrad anschieben bergauf – ist das möglich?
Grundsätzlich ist das Anschieben bergauf möglich, jedoch deutlich schwieriger. Dabei müssen Sie folgendes bedenken:
- Mehr Körperkraft nötig: Das Gewicht des Motorrads drückt gegen die Schieberichtung.
- Wenig Zeit für Geschwindigkeit: Bergauf nehmen Sie langsamer Fahrt auf.
- Kipppunkt beachten: Besonders bei schwereren Motorrädern besteht die Gefahr, dass das Motorrad kippt oder zurückrollt.
Empfehlung: Versuchen Sie das Anschieben bergauf nur bei leichten Motorrädern und mit einer Hilfsperson. Bei schweren Tourern ist es besser, das Motorrad umzudrehen und bergab anzuschieben.
Motorrad anschieben – rechtliche und versicherungstechnische Aspekte
In Deutschland ist das Anschieben eines Motorrads auf öffentlichen Straßen grundsätzlich rechtlich erlaubt, sofern Sie dabei die Straßenverkehrsordnung (StVO) einhalten. Das bedeutet konkret:
- Sie dürfen andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden.
- Das Motorrad muss ordnungsgemäß zugelassen und versichert sein.
- Schutzausrüstung – insbesondere der Helm – ist auch beim Anschieben und Fahren Pflicht.
Zudem sollten Sie beachten: Manche Motorradhersteller schließen Schäden durch das Anschieben von der Garantie aus, wenn dabei Motorschäden entstehen. Deshalb ist es ratsam, im Zweifelsfall die Bedienungsanleitung Ihres Motorrads zu prüfen oder beim Händler nachzufragen.
Alternativen zum Anschieben
Falls das Anschieben nicht möglich ist oder nicht funktioniert, gibt es einige sinnvolle Alternativen:
Starthilfekabel (Überbrückungskabel)
Mithilfe von Starthilfekabeln können Sie Ihr Motorrad von einem anderen Fahrzeug aus starten. Verwenden Sie dabei speziell für Motorräder geeignete Kabel, da Autobatterien oft eine zu hohe Spannung liefern können. Geeignet sind zum Beispiel CIMCO 11 2510 oder ähnliche Motorrad-Starthilfekabel. Die Reihenfolge beim Anschließen ist dabei immer: Plus an Plus, Minus an Masse – und beim Abklemmen umgekehrt.
Starthilfe-Powerbanks (Jump Starter)
Ein mobiler Jump Starter ist eine besonders praktische Lösung, da Sie damit völlig unabhängig von einem zweiten Fahrzeug sind. Empfehlenswert ist der NOCO Boost Plus GB40 oder der NOCO Boost HD GB70 für größere Motoren. Diese Geräte sind kompakt, leistungsstark und auch für Motorräder geeignet.
Pannenhilfe und ADAC
Wenn alle Stricke reißen, ist die ADAC-Pannenhilfe (Rufnummer: 22 22 22) eine zuverlässige Option. Der ADAC hilft auch bei Motorrad-Pannen und kann die Batterie prüfen oder das Motorrad zum Händler transportieren.
Wartung und Prävention
Langfristig ist die regelmäßige Wartung der Batterie die wichtigste Maßnahme, um eine Pannensituation zu vermeiden. Laden Sie Ihre Motorradbatterie in der Winterpause regelmäßig mit einem Erhaltungsladegerät – zum Beispiel dem CTEK MXS 5.0 – um eine Tiefentladung zu verhindern. Außerdem empfiehlt es sich, die Batterie alle drei bis vier Jahre zu ersetzen, da Motorradbatterien einer natürlichen Alterung unterliegen.
Besonderheiten bei verschiedenen Motorradtypen
Harley-Davidson und amerikanische V2-Motoren
Harley-Davidson-Modelle mit traditionellem V-Twin-Motor (z. B. Sportster, Softail, Touring) lassen sich grundsätzlich anschieben. Jedoch ist dabei zu beachten, dass diese Motorräder oft sehr schwer sind. Außerdem haben einige neuere Modelle elektronische Sicherheitssysteme, die das Anschieben erschweren können. Empfehlung: Zweiten Gang nutzen und eine Hilfsperson hinzuziehen.
KTM und Einzylinder-Enduros
Einzylinder-Motoren sind generell etwas schwieriger anzuschieben als Mehrzylinder, da der Kompressionsstoß stärker ist. Deshalb empfiehlt es sich, zusätzlich etwas Gas zu geben, wenn die Kupplung losgelassen wird. Außerdem bieten viele KTM-Modelle einen Dekompressor, der das Anschieben erleichtert – nutzen Sie diesen, falls vorhanden.
BMW GS und Reiseenduros
Die BMW R 1250 GS und ähnliche Reiseenduros sind zwar schwerer, lassen sich aber dank ihrer guten Drehmomenteigenschaften gut anschieben. Nutzen Sie jedoch unbedingt eine Hilfsperson und eine leichte Gefällstrecke, da das Eigengewicht von über 220 kg erheblich ist.
Oldtimer und Klassiker
Ältere Motorräder mit Vergasermotoren sind oft besonders gut für das Anschieben geeignet, da sie keine empfindliche Einspritzelektronik besitzen. Jedoch sollten Sie bei Vergasermotoren den Choke korrekt einstellen und sicherstellen, dass der Vergaser ausreichend Kraftstoff enthält.
Tipps für kaltes Wetter und Winter
Im Winter und bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius wird das Anschieben deutlich schwieriger, da:
- Motoröl dickflüssiger ist und mehr Widerstand erzeugt
- Die Batterie ohnehin schwächer ist
- Kraftstoff schlechter verdampft
Deshalb sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Motorrad mehrfach anschieben: Beim ersten Versuch springt der Motor möglicherweise nicht sofort an. Versuchen Sie es mehrmals.
- Choke vollständig aktivieren: Bei kalten Temperaturen und Vergasermotoren ist der Choke besonders wichtig.
- Längere Rollstrecke einplanen: Im Winter benötigen Sie eine längere Anlaufstrecke, um ausreichend Fahrt aufzunehmen.
- Motorrad vorwärmen: Falls möglich, stellen Sie das Motorrad vorher in eine warme Garage, um Öl und Motor zu erwärmen.
FAQ: Häufige Fragen zum Motorrad anschieben
Welchen Gang sollte ich beim Motorrad anschieben einlegen?
Für die meisten Motorräder ist der zweite Gang die empfohlene Wahl. Er bietet eine gute Balance zwischen der nötigen Fahrtgeschwindigkeit und dem übertragenen Drehmoment. Bei sehr kleinen Motorrädern unter 125 cm³ kann auch der erste Gang funktionieren, bei großen, schweren Maschinen empfiehlt sich manchmal der dritte Gang, sofern Sie ausreichend Rollgeschwindigkeit aufgebaut haben.
Wie schnell muss das Motorrad beim Anschieben fahren?
Als Faustregel gilt: Das Motorrad sollte beim Loslassen der Kupplung mindestens 10 bis 15 km/h schnell sein. Mehr Geschwindigkeit ist in der Regel besser, da mehr kinetische Energie zur Verfügung steht. Beim ersten Anschieben-Versuch tendieren viele dazu, die Kupplung zu früh loszulassen – warten Sie deshalb bewusst etwas länger.
Kann ich ein Motorrad mit Einspritzung anschieben?
Ja, grundsätzlich ist das Anschieben auch bei Motorrädern mit elektronischer Einspritzung möglich. Jedoch benötigt die Kraftstoffpumpe einen Mindestdruck. Deshalb sollte die Batterie noch so viel Restkapazität haben, dass die Zündung und die Kraftstoffpumpe kurz aktiviert werden können. Bei einer vollständig tiefentladenen Batterie funktioniert das Anschieben bei modernen Einspritzmotoren oft nicht zuverlässig.
Warum springt das Motorrad beim Anschieben nicht an?
Häufige Ursachen sind: zu geringe Rollgeschwindigkeit, falsch eingelegter Gang, Killschalter auf „Off“, ausgeklappter Seitenständer, fehlende oder falsch eingestellte Zündung, leerer Tank oder defekte Kraftstoffpumpe. Außerdem kann es bei modernen Motorrädern mit Einspritzung passieren, dass die Batterie zu schwach ist, um ausreichend Kraftstoffdruck aufzubauen – auch wenn der Motor selbst in Ordnung ist.
Ist das Anschieben eines Motorrads schädlich für den Motor?
Bei korrekter Ausführung ist das Anschieben nicht schädlich für den Motor. Jedoch kann ein abruptes Loslassen der Kupplung bei zu geringer Geschwindigkeit zu einem starken Ruck führen, der theoretisch Antriebskomponenten belasten könnte. Außerdem sollten Sie den Motor nach dem Anspringen ausreichend warmlaufen lassen, bevor Sie ihn stark belasten.
Kann ich ein Automatik-Motorrad (DCT) anschieben?
Nein. Motorräder mit Doppelkupplungsgetriebe (DCT) – wie zum Beispiel die Honda Africa Twin DCT oder die Honda NC750X DCT – sind nicht für das Anschieben geeignet. Das DCT-System ist konstruktionsbedingt nicht darauf ausgelegt. Versuchen Sie es stattdessen mit einem Jump Starter oder Starthilfekabeln.
Wie oft kann ich mein Motorrad anschieben, ohne die Batterie zu beschädigen?
Das Anschieben selbst beschädigt die Batterie nicht. Jedoch sollten Sie nach dem Anschieben die Batterie unbedingt vollständig aufladen, da wiederholte Tiefentladungen die Lebensdauer der Batterie deutlich verkürzen. Nutzen Sie dafür ein geeignetes Ladegerät wie den CTEK MXS 5.0 oder den NOCO Genius 5.
Kann ich ein Motorrad alleine anschieben, wenn es sehr schwer ist?
Bei schweren Motorrädern über 200 kg ist das Anschieben alleine sehr schwierig und potenziell gefährlich. Nutzen Sie in diesem Fall unbedingt eine leichte Gefällstrecke und, wenn möglich, eine Hilfsperson. Alternativ ist ein mobiler Jump Starter die deutlich praktischere und sicherere Lösung.
Was mache ich, wenn das Motorrad nach dem Anschieben sofort wieder ausgeht?
Wenn der Motor nach dem Anspringen sofort wieder abwürgt, liegt das häufig daran, dass Sie die Kupplung zu langsam oder zu früh wieder eingedrückt haben, oder dass die Leerlaufdrehzahl zu niedrig ist. Geben Sie beim Loslassen der Kupplung etwas Gas, um den Motor zu stabilisieren. Außerdem kann ein falsch eingestellter Choke bei kalten Motoren die Ursache sein.
Ist das Anschieben eines Motorrads in Deutschland erlaubt?
Ja, das Anschieben ist in Deutschland auf öffentlichen Straßen grundsätzlich erlaubt, sofern Sie dabei die Straßenverkehrsordnung einhalten und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden. Helm und Schutzausrüstung sind dabei selbstverständlich ebenfalls Pflicht. Zudem sollten Sie sicherstellen, dass das Motorrad ordnungsgemäß zugelassen und versichert ist.
Fazit
Das Motorrad anschieben ist eine bewährte Methode, um in einer Pannensituation schnell und kostengünstig weiterzukommen. Mit der richtigen Vorbereitung, dem zweiten Gang und ausreichend Rollgeschwindigkeit gelingt es in den meisten Fällen problemlos.
Langfristig ist jedoch die beste Strategie, regelmäßige Wartung und eine gepflegte Batterie – so vermeiden Sie die Pannensituation von vornherein.
